Wallis : Schloss Saillon (en français)




Weitere Luftaufnahmen von Saillon

Der mächtige Felsrücken von Saillon auf der rechten Talseite zwischen Martigny und Sitten trägt die imposanten Überreste einer ausgedehnten mittelalterlichen Wehranlage. Ursprünglich floss der Rotten hart am Burgfelsen von Saillon vorbei. Bot auf der Südseite demnach der Fluss ausreichenden Schutz, waren es auf den anderen Seiten jähe Felsabstürze, welche eine feindliche Annäherung erschwerten. Den etwas niedriger gelegenen Ostteil des Höhenrückens, wo sich das Gelände verbreitert, nimmt das Burgstädtchen Saillon ein. Dessen Befestigungsanlagen aus dem 13. Jahrhundert sind noch weitgehend erhalten. Die unregelmässig der Felskante entlang gezogene Ringmauer wird auf der exponierten Nordseite in Abständen von etwa 30 Metern durch zinnenbekrönte, halbrunde Schalentürme verstärkt. Vier Tore führten einst ins Innere des Städtchens. Dessen Überbauung bestand grösstenteils aus Wohnhäusern, während sich die Landwirtschaftsgebäude der Stadtbewohner ausserhalb der Mauern erhoben.

Am westlichen Stadtrand steigt das felsige Gelände steil gegen den Burgbezirk an. Die Stadtmauern laufen hier in ungefähr konischer Linienführung zum höchsten Punkt des Felsgrates, der den Burgbezirk bildet. Hier stand einst die „alte Burg“, der mutmassliche Kern des gesamten Befestigungssystems von Saillon. Heute sind auf dem allseits steil abfallenden Felsplateau nur noch wenige Mauerspuren erkennbar, die keine Schlüsse auf das frühere Aussehen der Burg zulassen. Der an die „alte Burg“ westlich angrenzende, zerklüftete Felsgrat trug eine in Resten noch feststellbare Mauer, die zu einem gewaltigen Rundturm führte, zum „Bayartturm“, einem Bauwerk aus der Zeit Peters II von Savoyen. Die wohlerhaltene Ruine bildet heute das Wahrzeichen von Saillon. Von aussen sind schmale Fensterscharten, der ursprüngliche Hocheingang sowie die spiralförmig in die Höhe führenden Gerüsthebellöcher zu erkennen, während der Zinnenkranz und der hölzerne Wehrgang verschwunden sind. Innen enthielt das unterste Geschoss eine Zisterne für die Wasserversorgung, während in den oberen Stockwerken kamingeheizte Wohnräume untergebracht waren. Von diesem Rundturm aus lief die Mauer der Gratbefestigung in südwestlicher Richtung weiter bis ans Ende des Höhenzuges, wo sie rechtwinklig abbog und sich über den steilen Abhang bis zu einem Felskopf über dem Rotten hinunterzog. Diese nach Westen gerichtete Seite der Befestigung von Saillon wurde durch drei vorspringende Schalentürme verstärkt.



Saillon

Saillon
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Photos Fabrice Ducrest

In der ausgedehnten Wehranlage, bestehend aus Burgstädtchen, „alter Burg“, rundem Donjon und Gratbefestigung, spiegeln sich die grimmigen Auseinandersetzungen zwischen den Grafen von Savoyen und den Bischöfen von Sitten um die Vorherrschaft im Wallis. Im 11. Jahrhundert erscheint Saillon im Besitz der Bischöfe, was vermuten lässt, der Felsen habe ein altes Kastell der Könige von Hochburgund getragen, dass um die Jahrtausendwende an die Sittener Kirche übergegangen sei. Anscheinend vermochten sich die Bischöfe auf Saillon jedoch nicht zu behaupten, denn seit dem 12. Jahrhundert nannte sich eine edelfreie Familie nach dem Ort, die hier offenbar eine kleine, selbständige Grundherrschaft aufgerichtet hatte. Diese Freiherren von Saillon – sie dürften wohl auf der „alten Burg“ gehaust haben – gerieten um die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert immer mehr in die Abhängigkeit des Hauses Savoyen. 1221 setzte sich Thomas von Savoyen auf Saillon fest, indem er von Aymo von Pontverre, einem Verwandten der Saillon, dessen Besitz- und Herrschaftsrechte auf der Burg von Saillon tauschweise erwarb. Die Herren von Saillon konnten sich nun auf ihrer Stammfeste nicht mehr halten und willigten 1231 in einen Tauschvertrag ein, der dem Grafen von Savoyen die Burg von Saillon überliess und sie mit der Burg Aigle als savoyischen Lehen entschädigte. In den hartnäckigen Kämpfen zwischen Savoyen und Bischof um die Mitte des 13. Jahrhunderts spielte Saillon als savoyischer Stützpunkt eine wichtige Rolle, hatten sich die Grafen doch mit der Erwerbung dieses festen Platzes zwischen die bischöflichen Besitzungen zu Martigny und zu Sitten geschoben. Peter II liess deshalb Saillon in mehrjähriger Arbeit zu einer gewaltigen Befestigungsanlage ausbauen. Der Flecken Saillon wurde um 1257/58 ummauert, den mächtigen Rundturm erstellte des Grafen Baumeister Peter Meinier um 1261/62. Der Graf war sich der exponierten Lage Saillons bewusst und erteilte deshalb 1264 seinem Kastellan den Auftrag, die Burg in guten Zustand zu halten und ausreichend zu verproviantieren. Weitere Burgen im mittleren Abschnitt des Rhonetals sollten die savoyische Machtstellung weiterhin stärken. Schräg gegenüber von Saillon entstand in jenen Jahren auf der anderen Talseite die Feste Saxon, am Eingang ins Tal von Nendaz liess Peter die Burg Brignon erbauen, und unmittelbar vor den Toren Sittens errichtete er die Burg Montorge. Diese verschiedenen Burgen hatten unterschiedliche Schicksale. Brignon wurde nach wenige Jahren wieder aufgelassen, Montorge fiel an den Bischof, Saillon und Saxon jedoch blieben in savoyischer Hand und wurden von Kastellanen verwaltet.

Saillon
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Photos Fabrice Ducrest

Der feste Platz von Saillon blieb wegen seiner Bedeutung als Herrschaftszentrum Savoyens auch im Spätmittelalter nicht von Kriegsgefahr verschont. Wiederholt zogen die Oberwalliser vor die Feste. 1384 erhob sich das Landvolk gegen Bischof Eduard aus dem Hause Savoyen. Damals wurden nicht nur bischöfliche Burgen eingeäschert. Die wildgewordenen Oberwalliser durchzogen auch savoyisches Gebiet und verwüsteten Saillon. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts diente der feste Platz den Angehörigen des Hauses Raron, die sich vor dem Walliser Volkszorn unter savoyischen Schutz gestellt hatten, als politisches Asyl, doch kam es damals nicht zur Zerstörung der Burg. Diese erfolgte erst im Jahre 1475, als die Oberwalliser in den Burgunderkriegen machtvoll talabwärts vorstiessen, um das mit Karl dem Kühnen verbündete Savoyen zu bekämpfen. Damals wurde Saillon erstürmt und niedergebrannt. Das „alte Schloss“, heute ein Schutthaufen, scheint erst damals endgültig zerstört worden zu sein.

Saillon
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Photos Swisscastles

Auch das Städtchen, das unter der savoyischen Herrschaft dank zahlreichen Privilegien aufgeblüht war, wurde von diesen Ereignissen in Mitleidenschaft gezogen, vermochte sich aber bald wieder zu erholen. Zum savoyischen Verwaltungsbezirk Saillon, der eine Kastlanei bildete, gehörten neben Saillon selbst auch Leytron, Riddes und Fully-Branson. Von den Feudallasten kaufte sich Saillon erst 1809 los. Die 1475 zerstörte Burganlage ist bis heute Ruine geblieben.

Bibliographie

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©Les châteaux suisses. Die Schweizer Schlösser. The Swiss Castles