Zürich Schloss Dübelstein (en français)

Alt - Landenberg

Die Ruine Dübelstein liegt auf einem bewaldeten Vorsprung des Adlisbergs, südlich von Dübendorf. Die Burgstelle ist durch einen künstlichen Halsgraben von jener Geländeterrasse abgetrennt, auf der das weithin sichtbare Restaurant Waldmannsburg steht. Der Graben zog sich ursprünglich wohl rund um den Burghügel herum und fiel ein Stück weit mit dem heutigen östlichen Aufstieg zusammen. Die Schaffung eines klar umgrenzten Burgplateaus macht deutlich, dass die Anlage von Anfang an in der heute erkennbaren Ausdehnung geplant war.

Die moderne Holzbrücke steht auf alten Pfeilerfundamenten. Der ursprüngliche Steg überquerte den graben in einer solchen Höhe, dass man direkt auf das heutige Burgplateau gelangte. Dort, wo heute die Treppe neben dem Turm aufwärts führt, stand der Torbau mit einem anschliessenden zwingerartigen Engnis. Der leicht trapezförmige Bergfried ist der Ringmauer südlich vorgelagert. Mit seinen drei Meter dicken Mauern übernahm er die Funktion eines Schilder auf der am meisten gefährdeten Seite. Der heute weitgehend rekonstruierte Socket von elf bzw. Zehn Metern Seitenlänge reicht weit in den Burggraben hinunter. Soweit der alte Mauermantel erhalten ist, setzt er sich aus unregelmässigen, wenig behauenen Sandsteinbrocken und Findlingen zusammen. Darüber erhob sich nach einer Zeichnung Conrad Meyers aus dem Jahr 1640 ein etwa fünfgeschossiger Bau mit einem Zeltdach. Die burgseitige Turmmauer war nur etwa zwei Meter stark. An ihren Enden setzte die Ringmauer an, die sich völlig dem Plateaurand anpasste. Besonders in den nördlichen und östlichen Teilen ist das ursprüngliche Mauerwerk, das dort auf einem breiteren Mauersockel ruht, recht gut erhalten. Die Mauerdicke schwankt zwischen 1.2 und 2.2 Metern. In der schwer zugänglichen Nordecke stand der Palas, dessen Kellergeschoss erhalten ist. Vom Burghof her führte eine Treppe zum Kellereingang hinunter, an dessen Wangen der Türfalz noch erkennbar ist. Das Mauerwerk besteht hier aus behauenen Sandsteinen, die sorgfältiger geschichtet sind als in anderen Teilen der Burg. Nach einem Inventar vom Ende des 15. Jahrhunderts umfasste der Palas mindestens zwei Stuben, eine Schlafkammer und wohl auch eine Küche. Kachelfünde zeugen von mehreren Öfen. Im Verlauf des 15. oder 16. Jahrhunderts wurde vermutlich der angrenzende Raum östlich des Palas überbaut. Eine vorgefundene Feuerstelle lässt auf die Nutzung als Küche schliessen. Die südliche Abschlussmauer des Gebäudes wurde bei der Restaurierung nicht mehr aufgeführt.

Älter als dieser Bau, aber doch nicht in die Anfänge der Burg zurückreichend, ist der langgestreckte Raum, der den ganzen Ostteil der Burg umfasst. Eine Nutzung als Stall und Scheune ist aus Platzgründen fraglich. Wenn im Jahr 1489 von fünf Kühen und vier Kälbern die Rede ist, so haben wir den entsprechenden Gutsbetrieb sicher ausserhalb der Burg zu suchen. Hingegen könnten sich im Obergeschoss des langgestreckten Ostbaus Gesindestuben befunden haben. Von Bedeutung war der über 14 Meter tiefe Sodbrunnen. Er führt durch den Sandsteinfels hinunter bis zur wasserführenden Molasseschicht und erweitert sich unten birnenförmig. Er wurde bisher nicht vollständig ausgeräumt und könnte noch wertvolle Aufschlüsse über die Geschichte der Burg geben. Die lange Trennmauer, die vom Bergfried aus das ganze Burgareal durchquert, verläuft über den Brunnenrand und erweist sich daher als jünger. Durch eine Öffnung, deren Türschwelle erhalten ist, betrat man vom östlichen Vorraum her den Innenhof. Er war auf der Turmseite begrenzt durch den eingeschossigen Saalbau. Dieser geht wahrscheinlich in die Zeit nach 1500 zurück. Bei der Ausgrabung stiess man hier auf eine Feuerstelle.

Der Name der Burg Dübelstein, einst Tuobelnstein, weist uns in die Richtung der Bauherren, der Herren von Dübendorf, früher Tuobelndorf. In der Namensbeziehung ist ein ähnliches Verhältnis wie zwischen Alt-Regensberg und Regensdorf erkennbar. In Dübendorf war das Kloster Reichenau begütert. Vögte und Lehensträger des Klosters waren in diesem Gebiet bis 1257 die Grafen von Rapperswil, die mit der Wahrung ihrer Rechte anscheinend die Herren von Dübendorf beauftragten. Diesen niederen Dorfadel bezeugen die geschichtlichen Quellen erstmals um 1130. Im 13. Jahrhundert treten die Herren von Dübendorf häufig auf, unter anderem auch im Gefolge der Grafen von Kyburg und von Werdenberg, der Freiherren von Regensberg und von Tengen. Erstmals nennt sich 1257 ein Konrad nach der wohl um diese Zeit herum erbauten Burg Dübelstein. Die Herkunftsbezeichnung schwankte noch längere Zeit zwischen Dübendorf und Dübelstein.

Im Lauf des 14. Jahrhunderts lassen sich nach dem Aussterben der Herren von Dübelstein verschiedene Burg- und Vogteibesitzer nachweisen, darunter in zunehmendem Mass reiche Bürger der Stadt Zürich. Im Alten Zürichkrieg übergab der Burgherr Göldli die Burg den andringenden Innerschweizern. Die kleine Zürcher Besatzung erhielt freien Abzug. 1487 brachte der Bürgermeister Hans Waldmann Burg und Vogtei an sich und machte die Burg zu einem freien Edelsitz, indem er die Werdenberger dazu bewegen konnte, auf ihre lehensherrlichen Rechte zu verzichten. Der Erwerb der niederen Gerichtsbarkeit in Dietikon und Rieden macht seine Bestrebungen deutlich, ein abgerundetes Territorium zu schaffen. Allein seine Entmachtung und Hinrichtung bereitete diesen Plänen schon zwei Jahre später ein ende. In der Folge plünderten und brandschatzten Gegner Waldmanns die Burg. Darauf zog die Stadt Zürich die Herrschaft über Dübendorf, zusammen mit dem übrigen Besitz Waldmanns, an sich. Das Gebiet wurde von Zürich aus verwaltet. Deshalb verlor die Burg Dübelstein ihre Bedeutung und wurde verkauft. Nach einer Zeit des langsamen Zerfalls wurde sie offenbar im späten 16. Jahrhundert wieder instandgestellt. Aber schon 1611 nahm sie ein jähes Ende. Durch die Unvorsichtigkeit einer Magd beim Flachstrocknen geriet die Burg in Brand, und nur mit knapper Not entrann die Familie des Marx Escher den flammen. Während die Burg zerfiel, blieb der Turm möglicherweise noch für ein paar Jahrzehnte bewohnbar. In der Folgezeit teilte die Burgstelle das Schicksal vieler Ruinen: die Steine wurden für Bauten in der Umgebung verwendet. Eine Ausgrabung und Restauration der Burg erfolgte in den Jahren 1942/43. 

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