Uri: Schloss Schweinsberg (en français)

Photo Hurni Christoph

Nordwestlich der Kirche und in der Nähe der Burgruine Attinghausen befindet sich das heute noch bewohnte feste Haus der von Schweinsberg. Der Bau bildet im Grundriss ein Rechteck von 10.5 Meter auf 14 Meter und ragt noch rund 11 Meter in die Höhe. Die Mauerstärke variiert zwischen 1.4 und 1.6 Metern. Das Haus bildet einen mächtigen Kubus, der aus unbehauenen Steinen ausgeführt ist. Im oberen Teil bestehen auf zwei Fluchten die Wände aus Holzbohlen, so dass der Eindruck entsteht, ein Bauernhäuslein sei in den Turm geschoben worden.

Im Innern ist parallel zur westlichen Aussenmauer ein zweite, wenn auch schwächere Wand in einem Abstand von vier Metern aufgeführt. Dadurch entstand in der Südwestecke ein gefangener „Innenturm“ von 4 auf 4.8 Meter Grundfläche. Im Erdgeschoss liegt der Kellerraum und im ersten Obergeschoss die hohe, geräumige Wohnstube, die geheizt werden konnte. Dieser repräsentative Raum war mit Wandmalereien der Kreuzigung und Jagdszenen um 1480 ausgeschmückt worden. Diese sind heute leider zum grössten Teil zerstört. Der Raum wird nun als Küche benützt. Der ursprüngliche Zugang lag an der Nordseite, wo der Eingang heute als Fenster dient. Die Burg betritt man durch eine Türe an der Südseite. Die einzelnen Räume des Gebäudes sind über eine eichene Wendeltreppe zu erreichen. Spuren der früheren Schneckenstiege sind noch sichtbar. Im zweiten Obergeschoss lässt sich die innere Unterteilung des Gebäudes nicht mehr verfolgen. Die Mauer des „Innenturms“ aber reicht auf der Südseite, im Gegensatz zu jener der äusseren Hauptmauer, bis unters Dach. Von einer Ringmauer und von einem Burggraben haben sich geringe Spuren erhalten.

Über die genaue Entstehungszeit der Anlage ist nichts Näheres bekannt. Ihre Anfänge reichen wohl ins 13. Jahrhundert zurück. Die Bewohner, die Edelknechte von Schweinsberg, waren Dienstleute der Freiherren von Attinghausen.

Als erster Vertreter der Attinghausen tritt 1240 ein Ritter Ulricus dominus de Attinghusen zusammen mit anderen Adligen aus der Gegend um Bern als Zeuge auf. Dieser Ulrich nannte sich in weiteren Urkunden abwechselnd von Attinghausen und von Schweinsberg im Emmental. Sein Wirkungsfeld aber lag wohl hauptsächlich im bernischen Gebiet.

Die Ministerialenfamilie von Schweinsberg spielte in der Geschichte des Landes Uri keine selbständige Rolle. Wir finden sie als Zeugen in Urkunden, in welchen immer auch die Freiherren von Attinghausen aufgeführt sind. Als Wohltäter und Förderer des Klosters Seedorf hingegen haben sie sich grosse Verdienste erworben. Vor allen anderen ist hier ein Konrad von Schweinsberg zu nennen, der ins Heilige Land zog und dort früh starb. Sein Sohn Konrad trat in hohem Alter ins Kloster ein. Dessen Söhne Rudolf und Egloff finden wir zusammen mit anderen Ministerialen als Zeugen bei der Schlichtung eines Alpstreits zwischen dem Kloster Engelberg und dem Stand Uri. Aus den Jahrzeitbüchern von Attinghausen und Seedorf lernen wir die Familie Egloffs näher kennen: Egloff war mit Agnes von Wallis verheiratet. Der Ehe entsprossen drei Kinder, der Sohn Johann und die beiden Töchter Elisabeth und Veronika. In den Urkunden lassen sich diese drei Kinder aber nirgends nachweisen. Johanns Sohn Ulrich, mit Hemma Kaufmann verheiratet, begegnet uns 1370 in Urkunden als Zeuge. Mit ihm starb das Dienstmannengeschlecht aus.

Wie unbedeutend diese Familie für Uri war, zeigt sich nicht nur darin, dass sie immer in Verbindung mit den Freiherren von Attinghausen auftrat, sondern auch darin, dass sie mit dem aussterben der Attinghausen ebenfalls aus den Urkunden und damit von der politischen Szene verschwindet.

Die Burg ging im 16. Jahrhundert in den Besitz der Familie Zick in Attinghausen über. 1617 übernahm der durch seine Bärenkräfte und seinen Heldenmut berühmte Leutnant Pompeus Tresch das Gebäude. Vermutlich gehörte die Anlage auch einige Zeit dem Frauenkloster Attinghausen. Nach zahlreichen Handänderungen gelang es gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Familie Tresch, die Burg wieder in ihren Besitz zu bringen.

Bibliographie

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