Bern: Schloss Wil (en français)

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Über dem oberen Worblental, am Hang des Hürnberges, thront weithin sichtbar die Burg Wil. Das zugehörige Dorf und die heutige Gemeinde heissen Schlosswil. Wil bildete einst den Mittelpunkt einer der kleinen Grund- oder Twingherrschaften, die im Aaretal oberhalb von Bern und in seinen Randgebieten häufig waren. Es handelte sich bei ihnen ursprünglich um Güter des niederen Adels, die teils aus früh- und hochmittelalterlichem Rodungsland hervorgingen. Die Namen der Burgen weisen zuweilen auf Siedlungen hin, die vor der Jahrtausendwende bestanden haben müssen. Von den Vorgängern dieser Burgen zeugen noch Reste in Form von Ringwällen und Erdwerk, seltener, wie in Alt-Hünigen, von Mauerwerk. Aus Stein errichtet wurden die Burgen in der Regel erst im 12. Jahrhundert. Zum Teil haben in neuere Zeit bessere und grössere Anlagen die älteren ersetzt oder ergänzt.

Die hierarchische Gliederung des Feudalwesens, wie sie sich unter den Karolingern und in ihren Nachfolgereichen entwickelte, lag auch den bernischen Twingherrschaften zugrunde. Die Inhaber der Gewalt waren Ministerialen unter den Zähringern und Kyburgern. Als die Stadt Bern ihren Machtbereich nach und nach ausbaute, fügten sie sie, mit ihr verburgrechtet, in ihn ein, behielten aber massgebende Rechte für sich, etwa jene, Gericht zu halten, die Wehrpflichtigen zu mustern uns aufzubieten sowie steuern zu erheben. Für die Stadt ergaben sich daraus verschiedene vorteile: Die Twingherrschaften besorgten für sie als Zwischengewalten einen Teil der Administration des Landes und ersparten ihr den Aufbau eines Beamtentums. Das Zusammenspiel funktionierte dort besonders gut, wo Angehörige des regierungsfähigen bernischen Patriziats den Besitz der Herrschaften übernahmen. 1459 erliess Bern eine Vorschrift, wonach Twingherrschaften nicht an landesfremde veräussert werden durften. Ihr wurde bis zum Ende der alten Ordnung 1798 nachgelebt.

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Die Zahl solcher privater Grundherrschaften war, wie gesagt, namentlich im Aareraum oberhalb von Bern ziemlich gross. Twingherren sassen unter anderem in Münsingen und Hünigen, in Oberdiessbach, in Wil und Worb jenseits des Flusses in Burgistein und Riggisberg, in Rümligen, Toffen und Belp. Von bedeutsameren Schlössern, die hier nicht näher dargestellt werden können, seinen ein paar wenigstens erwähnt. Die Anlage von Burgistein, die einen Felskopf hoch über Wattenwil im oberen Gürbetal krönt, entstand im 13. Jahrhundert anstelle einer älteren, etwas unterhalb gelegenen und aufgelassenen. Die heutigen, sich sehr malerisch zu einer Einheit fügenden Bauten wurden zur Hauptsache erst zwischen 1535 und 1573 errichtet. Bei Oberdiessbach existierte bis ins Spätmittelalter auf steilem Fels an der Falkenfluh die Burg Diessenberg. Der Sitz der Herrschaft wurde im 15. Jahrhundert ins Tal hinunter verlegt. Nacheinander standen bei Dorf Oberdiessbach zwei Schlösser: das in grossen Teilen noch bestehende, kurz nach 1550 zu datierende Alte Schloss, 1666/68 das prachtvolle Neue Schloss Albrechts von Wattenwyl in französischen Spätrenaissancestil. Das heutige Schloss Münsingen geht auf Hans Franz Nägeli den Eroberer der Waadt, zurück, der es 1550 anstelle einer mittelalterlichen Anlage erbauen liess. Vom Verkauf der einstigen Wehrmauer kündet noch der weitgehend abgerundete Grundriss. Nägelis Bau nahm also genau das frühere Burgareal mitsamt dem Hof in Beschlag. Im Keller findet sich noch der Stumpf des aus Findlingsblöcken aufgeführten Bergfrieds. Er beweist die Existenz eines Megalithturms und damit einer festen Verteidigungs- und Wohnanlage im ausgehenden 12. oder beginnenden 13. Jahrhundert.

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Die Errichtung des ältesten Teils von Wil, seines mächtigen Megalithturms, kann man in die gleiche Periode datieren. Das bedeutet nicht, dass die Burg nicht schon vorher bestand. Vielmehr lebten hier im 12. Jahrhundert möglicherweise die Freiherren von Wiler, die 1146 als Vasallen Zähringens genannt werden. Sicher sassen später Dienstleute der Kyburger auf Wil. Ein Teil der Herrschaft gehörte eine Zeitlang dem Geschlecht der Senn von Münsingen, Rittern, die in Münsingen selber und unter anderem auch in diessenberg eine Rolle spielten. Bis ins Spätmittelalter wechselte der Besitz sehr oft die Hand und wurde aufgegliedert. Erst 1514, da Burkhard von Erlach die rechte zusammenzufassen vermochte, wurde er wieder vereint. Nunmehr gaben stadtbernische Familien den Ausschlag, die Erlach vorerst, dann während eines Jahrhunderts, von 1527 bis 1626, die Wattenwyl, anschliessend bis 1718 ein Zweig der Diesbach, bis 1798 die Frisching und während einiger weniger Jahre, bis zum Verkauf an den Kanton Bern in 1811, zwei Brüder Kirchberger.

In dieser langen Zeitspanne konnte sich in Schlosswil der zentrale Turm inmitten von Gebäude aus jüngeren Epochen erhalten. Die Bauten stammen aus verschiedenen Stylperioden. Das bernische Dixhuitième beeinflusste sie zwar, machte sich aber keineswegs, wie etwa in Jegenstorf, sozusagen allein geltend. Der im Grundriss quadratische, 40 Meter hohe Bergfried diente ursprünglich als Wohnturm. Gewaltig ist die Dicke seiner Mauern: vier Meter an seinem Fuss! Der Hocheinstieg über dem kleinen, engen Binnenhof wird noch jetzt als Zugang benützt. Beim Aufstieg zur Wehrplattform, über mehrere Stockwerke hinan, beeindrucken den Besucher die Ausmasse des Baus. Der Dachstuhl, der sich steil zum kurzen First erhebt und das Walmdach trägt, datiert aus dem 16. Jahrhundert.

In jener Zeit erfolgten unter Niklaus von Wattenwyl in wesentlichen Teilen Konstruktion und Gestaltung der an den Turm angefügten neuen Wohntrakte. Im kreuzgewölbten Korridor des Erdgeschosses künden die Allianzwappen Wattenwyl-May und die Jahrzahl 1546 davon. Nach einem Brandfall wurden damals der zerstörte Nord- und der Ostflügel erstellt. Dieser verrät, spätgotisch angelegt, mit seinen Arkaden bereits den Einfluss der Renaissance. Auch an den anderen Flanken des Turms entstanden Gebäude. Umbauten gegen ende des 17. Jahrhunderts und um 1780, als der Nordtrakt mit dem Eingang sein spätbarockes Aussehen erhielt, schufen allmählich das heutige Aussehen. Der Wandel wird beim Vergleich von Ansichten aus der Zeit zwischen 1650 und 1800 deutlich. Mann erkennt dabei auch die Veränderungen der Gartenanlagen. Die Terrasse vor dem Eingang, an deren Ende spitzbehelmte Ecktürmchen aufragten, wich einer spätbarocken Architektur. Im 18. Jahrhundert wurden vor der Südfront der prächtige französische park mit seinen Rondellen und seinem Wasserbecken sowie die herrliche Lindenallee angelegt, die sich über einen halben Kilometer auf einem die Landschaft gliedernden und eine kleine Wasserscheide bildenden Moränenkamm hinzieht.

Seit 1831 dient das Schloss von Wil als Regierungsstatthalter- und Gerichtssitz des Amtsbezirks Konolfingen. Seine Räume sind der neuen Aufgabe angepasst und modernisiert worden.

Bibliographie

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©Les châteaux suisses. Die Schweizer Schlösser. The Swiss Castles