Schloss Eptingen: Wild Eptingen und Ruch Eptingen

EptingenEptingen

Armin Schweizer

Ungefähr am Nordfusse des Jurabelchens liegt das durch sein Heilwasser seit alters bekannte Eptingen. Auf den Kämmen und Klippen, die das Dorf überhöhen, lagen einst die Bergfesten der Herren von Eptingen: talabwärts gesehen, auf der rechten Talseite, zwei (das ältere und das jüngere Wild-Eptingen), auf der linken Talseite eine (Ruch-Eptingen).

Beim älteren Wild-Eptingen und bei Ruch-Eptingen handelt es sich um Burgen, die früh abgegangen sind, jedenfalls seit ihrer Zerstörung durch das Erdbeben von 1356. Weder über die eine noch über die andere besitzen wir urkundlichen Bericht. Erstere lag auf dem nördlich über Eptingen sich erhebenden Eichenberg, letztere auf der gegenüberliegenden Talseite zwischen Haselberg und Nebemberg, nahe dem höchsten Punkte des letzteren. Weder über die eine noch über die andere Burg besitzen wir urkundliche Nachrichten. Nach Walther Merz steht es aber fest, dass es sich beim ältern Wild-Eptingen und bei Ruch-Eptingen zweifellos um die beiden Stammburgen der Herren von Eptingen handelt. Wie die erhaltenen Spuren zeigen, waren diese kleine Werke, die aber durch die Natur ihrer Lage ausserordentlich gut gesichert waren.

Der Ahnherr des Geschlechtes, der 1189 erwähnte Gottfried von Eptingen, mag seinen Sitz noch auf dem ältern Wild-Eptingen gehabt haben. Dieses wurde wohl schon vor dem Erdbeben von 1356 verlassen und an seiner Stelle das grösser angelegte jüngere Schloss Wild-Eptingen bezogen, später Witwald, etwa auch irrtümlich Witenheim genannt. Schon frühe verliessen aber die Eptinger ihre Stammsitze auf den Schroffen und Gräten des Juras oben im Diegter Tal, um sich neuen, ihnen besser zusagenden Wohnsitzen zuzuwenden. So treffen wir um 1300 Vertreter des Geschlechtes zu Blochmont in der Herrschaft Pfirt, zu Madeln oberhalb Pratteln, zu Bischofstein oberhalb Sissach, zu Wildenstein und zu Gutenfels oberhalb Bubendorf, sowie zu Ziefen. Die Stammburgen blieben gemeinsamer Besitz des Gesamthauses. Ebenso die Stammesherrschaft bestehend aus den Dörfern Eptingen und Ober-Diegten mit Zwing und Bann, hoher und niederer Gerichtsbarkeit und allen herrschaftlichen Gerechtsamen. Sie bildeten eptingisches Eigengut.

Die Herren von Eptingen gehörten, wie aus ihrer Stellung in den Zeugenreihen der Urkunden hervorgeht, dem Ministerialenstande an und waren schon frühe nachweisbar Dienstmannen der Bischöfe von Basel. Als solche liessen sie sich auch in Basel, der Stadt ihres Herrn, nieder und besassen hier gleich den anderen bischöflichen Ministerialen ihre Höfe.
Der Wegzug der Eptinger aus ihren Stammsitzen im abgelegenen Juratal hatte die Scheidung des Geschlechtes in die nach der Herrschaft Pratteln (Madeln) und in die nach der Burg Blochmont genannte Linie zur Folge.

Der Grund zur Pratteler Linie wurde gelegt durch die Belehnung eines Herrn von Eptingen durch Österreich mit der Burg Madeln oberhalb Pratteln und dem Dorfe Pratteln. Im Erdbeben von 1356 ging Madeln unter und die Eptinger errichteten im Dorfe das heute noch stehende Schloss. Ansehnlicher Burgenbesitz befand sich im Besitz der Eptinger von Pratteln. Ausser Madeln bzw. Pratteln besassen sie noch Wildenstein, Gutenfels und Bischofstein. Ohne besonders nennenswerte Sprossen hervorgebracht zu haben, starb die Linie gegen die Mitte des i. Jahr' hunderts aus.

Die Blochmonter Linie ihrerseits war entstanden durch den Eintritt eines Eptingers in die Ministerialität der Herren von Pfirt und die Übernahme der Feste Blochmont als pfirtisches Lehen. Im 16. Jahrhundert ging das von den Baslern im St. Jakoberkriege 1449 zerstörte Blochmont durch Verkauf an König Ferdinand über und die Eptinger von Blochmont zogen sich auf ihre sundgauischen Lehen Waldighofen und Hagental zurück, die sie von Österreich trugen. Mit dem Übergang des Elsasses an Frankreich nach dem Dreissigjährigen Kriege traten die Eptinger in französische Dienste. Im 19. Jahrhundert sind sie dann im Mannesstamme ausgestorben. Die letzte Eptingerin war vermählt mit dem Luzerner Patrizier Ludwig von Sonnenberg und starb 1854.

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Die Herrschaft Eptingen lag im Gebiete des Sisgaus, innerhalb dessen normalerweise der jeweilige Landgraf die hohe Gerichtsbarkeit ausübte. Die Herren von Eptingen hatten es aber verstanden, ihre eptingische Herrschaft dem Einfluss der landgräflichen Gewalt zu entziehen und sie exempt erscheinen zu lassen. Solange die Grafen von Tierstein-Farnsburg die Landgrafschaft innehatten, liessen diese sie gewähren. Als aber die landgräflichen Befugnisse auf ihre Erben, die Herren von Falkenstein, übergegangen waren, beanstandeten diese die Exemptionsstellung der Herrschaft Eptingen. Jahrelang wurde über die Sache prozessiert. Wie der Streithandel ausging, ist nicht bekannt. Jede Partei hatte ihre Gründe. Die Eptinger verteidigten ihr tatsächliches, die Falkensteiner ihr historisches Recht.

Nachdem einmal Basel das Homburgertal und das Waldenburgertal erworben hatte, war es gegeben, dass es seine Aufmerksamkeit auch dem Tale mit den Herrschaften Diegten und Eptingen zuwandte. Wie mancherorts im Sisgau, musste Basel auch hier in seiner Territorialpolitik in Konkurrenz mit Solothurn treten. Durch einen Burgrechtsvertrag hatte Solothurn verstanden, sich für Diegten gegenüber Basel in Vorteil zu bringen. Bei Eptingen wusste Basel sich den Vorteil des Öffnungs und Besatzungsrechtes für sich zu verschaffen. Nachdem es dann Basel trotz allen Anstrengungen Solothurns gelungen war, sich Diegten zu sichern, so wusste es sich auch wenige Jahre später, 1487, durch Kauf in den Besitz der Herrschaft Eptingen zu bringen. Die Herren von Eptingen hatten dadurch ihren Stammsitz endgültig aufgegeben. Basel unterstellte aber seine Neuerwerbung gleich Diegten dem Landvogt zu Farnsburg.

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Photos Armin Schweizer

Beim Übergang an Basel war die Burg Wild-Eptingen bereits im Verfalle.
Für Basel hatte das Schloss kein Interesse und so verfiel es immer mehr. Erst 1909 wurde auf Veranlassung des Eigentümers der Ruine diese durch Wegräumung des Schuttes in ihren Mauerzügen freigelegt. Das Bild, das sich nun bietet, ist folgendes: Auf dem südwestlichen Felskopf erhob sich mit dem Grundriss eines Rechteckes der Wohnturm. Der nordwestlich vor dem Wohnturm liegende Zwinger wurde von einer Mauer eingefasst, vor der westlich ein den Eingang in die Burg schützendes Türmchen stand. Vom Wohnturm setzte sich nach Nordosten ein Gebäude fort, das bis an die nördliche, die übrige Burg überhöhende, Klippe reichte, die ihrerseits einen rechteckigen Turm trug.

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